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13.08.2010 Ende der Reise
nach 488 Tagen und 26271km zurück in der Schweiz
„So einfach wie jetzt, nach diesem langen Training, wird es niemals mehr gehen“, erklärte ich Lisa. Damit liess sie sich leicht überzeugen und machte bei der 5-Pässefahrt (Bernina, Julier, Oberalp, Furka, Grimsel) quasi als Dessert mit! Wir hängten uns hinten an Mountainbiker oder auch an Rennradfahrer (nicht jeder Rennvelofahrer ist auch ein Velorennfahrer) und fuhren die Pässe locker und ohne grosse Anstrengung hoch. Spass machte es schon, die Gesichter zu beobachten, wenn wir fürs  Gipfelfoto um Hilfe baten und uns die Leute zum Beispiel fragten: „Seid ihr in Andermatt gestartet?“ und wir antworteten:„nein, wir kommen aus China!“ Doch unsere offensichtlich gebrauchte Ausrüstung, mein ausgebleichter zerschlissener  Hut, die durchgescheuerten ausgeleiterten Radlerhosen und die mit Klebeband geflickten Schutzbleche an Lisas Velo liessen uns glaubwürdig erscheinen.
Zwei mal übernachteten wir zuoberst je auf einem Pass. Auf der Bernina hörten wir uns am Abend die Nachrichten und das Echo der Zeit an – Lisa zum Deutsch lernen und ich, weil ich begierig war, wieder mal etwas über die in der Schweiz aktuellen Themen  zu erfahren. Nach dem ersten Beitrag die Meldung: „Achtung, bei der Autobahn zwischen Düdingen und Freiburg ist ein Hund auf der Autobahn“... Während 16 Monaten begegneten wir tausenden von  überfahrenen Kadavern von ganz kleinen bis zu grossen Tieren (Kamel). Nur wenige der Autofahrer schienen uns mehr zu respektieren als einen streunenden Hund. 16 Monate und 26271km lang hatten wir Glück, wurden wir nie angefahren, obwohl es oft knapp und meistens gefährlich war. Täglich war die Verkehrsgefahr viel akuter und für uns wesentlich bedrohlicher als die muslimischen Terroristen, wegen denen einige der von uns besuchten Länder von Touristen gemieden werden.
Auch gesundheitlich stand unsere Reise unter einem guten Stern. Lisas in Kirgistan und Tajikistan aufgeschürfte Kniee sind wieder verheilt und die Flecken welche die Wanzenbisse hinterliessen, sind verschwunden. Selbstverständlich hatten wir ab und zu Durchfall oder andere kleine Problemchen. Trotzdem wir uns nicht besonders vorsichtig verhielten, alles assen und das Wasser nur mit Mikropour behandelten, mussten wir weder einmal zum Arzt noch unsere Reise auch nur für ein paar Tage wegen einer Krankheit unterbrechen.
Unsere Räder waren genau so gesund und fit wie wir, nur die beiden Hinterreifen musste ich tauschen,  vielleicht zwei Dutzend Platten flicken und ein Schaltkabel wechseln. In der Türkei musste ich bei beiden Rädern die Hinterradlager demontieren, die Kugeln ersetzen und die Lagerringe innen polieren. Da  waren wohl ganz am Anfang in den heftigen Sandstürmen in China einige Körnchen reingekommen, diese rieben bis die Kugeln richtiggehend zerfressen waren!
Geblieben sind uns 1000nde von Eindrücken, unzählige Geschichten und die Erinnerungen an die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen. Wie oft waren wir eingeladen, bekamen  Einblick ins Alltagsleben das so anders geführt wird, als wir es gewohnt sind, konnten beobachten, riechen, schmecken, zuhören und lauschen und später beim Pedalen das Erlebte verarbeiten. Wir haben viele geschichtsträchtige Orte entlang unserer Route besucht – am Schluss unserer Reise fügt sich vieles wie bei einem Puzzle zu einem für uns einmaligen Bild zusammen.
Auch wenn es nicht immer nur einfach war (je ausgedehnter die Wüste, je stärker der Gegenwind desto grösser das Konfliktpotential) stand unsere Reise nie in Gefahr. Wir konnten unsere ursprüngliche Routen-Idee laufend verlängern, weil uns das Radnomadenleben ganz einfach Spass machte. Für das Treten und die Strapazen wurden wir mehr als fürstlich belohnt.
...Nach dem nächsten Nachrichtenbeitrag wurde vermeldet, dass der Hund wieder weg  sei von der Autobahn. Wir waren definitiv in meinem doch so winzigen Heimatland angekommen, wo es sogar ein Hund in die abendlichen Hauptnachrichten schafft. Vieles erscheint uns etwas kleinkariert, trotzdem freuen wir uns, hier Fuss zu fassen und Neues zu beginnen.

 
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