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05.05.2010 Aus welchem Land kommst du? PDF  | Drucken |
Geschrieben von Urs Guggisberg   
der Nahe Osten: Jordanien, Syrien und der Libanon

Iraker in Jordanien, Kuwaiter in Syrien, Palästinenser im Libanon,... - überall trifft man auf Menschen die wegen einem der Kriege in der Region entweder vertrieben oder aus Hoffnung nach einem sichereren Leben, geflohen sind. Die meisten hoffen, dass die Uno ihr Gesuch bald bearbeiten wird damit sie die Chance bekommen in ein westliches Land übersiedeln zu dürfen. Allein in Amman leben schätzungsweise 750'000 bis eine Million Iraker und fast die halbe Jordanische Bevölkerung stammt aus Palästina!
In Wadi Musa trafen wir jedoch zuerst auf eine andere Variante Emigrant, einen berndeutsch sprechenden Beduinen: wohne im Fischermätteli und arbeite für die Emil Frey AG - zwar etwas holperig aber doch ganz klar berndeutsch tönte das! Es freute mich sehr wieder mal in meinem Dialekt zu parlieren und nach einer halben Stunde offerierte er, uns am nächsten Tag den Beduinenweg nach Petra zu zeigen. Petra wurde 1812 vom Schweizer J.L. Burckhardt dank einer List wiederentdeckt. Da ihm die Beduinen die Stadt nicht zeigen wollten, fragte er nach einem Grab. Wie erwartet war die Stadt in der Nähe des Grabes und er hatte gefunden was er suchte. Wir taten es ihm ähnlich und umgingen die offiziellen Kontrollhäuschen und sparten die 32 Euro Eintrittsgeld pro Person die mittlerweile verlangt werden. Um trotzdem das Schatzhaus im guten Morgenlicht zu sehen, mussten wir wie Fische gegen den Touristenstrom schwimmen, denn mittlerweile drängen sich pro Tag mehr als 8000 Besucher durch den Sikh (enges Tal) um die verborgene Stadt zu erreichen.
In Amman fiel uns direkt neben unserem Hotel ein Fenster auf vor dem sich jeden Abend viele Menschen ansammelten. Wir drängten mit und erkämpften uns einen Teller köstlicher Süssigkeit: ein sehr süsser, klebriger Kuchen gefüllt mit Ziegenkäse. Beim Essen hörten wir uns die Lebensgeschichten von Irakischen Generälen unter Saddam oder von Palästinensischen Flüchtlingen an. Wir spürten weit weniger Hass als viel mehr Heimweh und Sehnsucht nach einem stabilen Zuhause!
Kaum in Syrien, gleich nach der Grenze, begegnete uns das erste Portrait Assads - steif, grimmig starrend - an jeder Kreuzung, unterwegs am Strassenrand, einfach überall sind diese Abzüge angebracht. Zum Glück begegneten uns im krassen Gegensatz zu diesem Bild, viele freundlich lächelnde Syrer, die sich fast stritten um uns behilflich zu sein oder um uns gar einzuladen! Bei einem dieser Mittagessen sassen wir auf der Terrasse und wurden mit vielen verschiedenen Köstlichkeiten bewirtet. Immer wieder tauchte ein weiteres Kopftuch tragendes Mädchen auf und brachte eine weitere Spezialität. Wir fragten den Vater wie viele Kinder er habe und waren ob seiner Antwort "eins" mehr als nur erstaunt. Denn neben dem auf der Terrasse spielenden Jungen, gab es in allen Grössen schön abgestuft, wie aus einer Form, sicher 6 Mädchen. Etwas stutzig, fragten wir ob das denn nicht seine Töchter seien. Doch schon, aber gezählt werden eben nur die Knaben... Später am selben Tag folgten wir der Einladung in eine sehr konservative Familie. Sofort wurden wir separiert. Lisa wurde ins Frauenzimmer gebracht, ich in den Raum der Männer. Bei mir harzte es etwas mit der Kommunikation, dafür durfte ich so viele Fotos machen wie ich wollte. Das war bei Lisa im Frauenzimmer strickte verboten. Dafür wurde sie während Stunden über alle möglichen Aspekte unseres Lebens ausgequetscht!
Im Gegensatz zur noch sehr gut erhaltenen Kreuzritterburg von Crac des Chevalliers und den "schnarchenden" Wasserrädern (Norias) von Hamah waren wir von Damaskus nicht wirklich begeistert, vielleicht auch weil es auf unserer ganzen Reise die schwierigste Stadt-Einfahrt war – zu viel Verkehr, zu grosses Chaos, Lärm,... und schlussendlich auch noch nur vollbesetzte Hotels. Per Zufall hörten wir, dass am Wochenende ein Zug mit Dampflokomotive in einen Vorort fahre und wo die Ausflügler bei einem Picknick ein paar Stunden im Grünen verbringen könnten. Wir machten uns auf zum Bahnhof obwohl der Zug nicht nach Fahrplan verkehrte sondern angeblich von einer Organisation gemietet wurde. Es stellte sich heraus, dass der Syrische Rote Halbmond die kleine Reise für irakische und palästinische Flüchtlinge organisierte (bezahlt hat das Dänische Rote Kreuz). Mit grosser Begeisterung wurden wir aufgenommen, es wurde gesungen und getanzt und trotz Lärm und Geschrei führten wir während der Zugfahrt und dem Aufenthalt viele interessante Gespräche mit Teilnehmern und Organisatoren.
Von Damaskus bis in den Libanon waren wir nur 1.5 Tage unterwegs, doch der Unterschied könnte kaum  grösser sein! Anstatt der klapprigen syrischen Autos mussten wir die Strassen mit riesigen, brandneuen Off-Roadern teilen. Zu allem Elend macht es den Libanesen auch noch ausserordentlich Spass mit dem Gas zu spielen, die Reifen quietschen zu lassen und anderen belästigenden Unsinn. Wir hatten uns per "warmshowers", der Website wo Radler anderen Radlern eine Unterkunft bieten (www.warmshowers.org), in Beirut bei Basam angemeldet. Seine Wohnung lag zum Glück etwas ausserhalb des Stadtzentrums auf einem Hügel mit wunderbarem Ausblick über die Stadt und auf die Smogglocke! Wir logierten für zwei Tage in seinem Architekturbüro und staunten über die schöne Einrichtung und noch mehr über sein Fahrrad: ein Papalagi von VeloBern – das gleiche Modell wie ich es fahre. Er war vor 2 Jahren in der Schweiz unterwegs und hatte sich dort das Rad gekauft. So kamen wir denn auch zu unserem ersten Fondue seit langer, langer Zeit. Doch das war nicht der einzige Vorgeschmack auf die Heimat, denn als wir direkt vom Mittelmeer kommend die erste Bergkette querten, befanden wir uns wieder einmal im Schnee, und sogar in einem Skigebiet - mit Ausblick aufs Mittelmeer!. Eine Arabische Familie, der Mann mit langem Bart, die Frau ganz verschleiert, lieferte sich eben eine Schneeballschlacht! War es wohl eine Familie aus einem der bedrückend tristen palästinischen Flüchtlingscamps im Libanon?
 
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