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04.03.2010 Die Chinesen - unsere Freunde
Geschrieben von Urs Guggisberg   
fast 2000km gegen den Wind durch den Sudan

In Kyrgyzstan und Tajikistan trafen wir immer wieder auf chinesische Strassenarbeiter. Auch in Äthiopien gibt es viele davon. Die Kinder rufen mittlerweile jedem der nicht eine schwarze Haut hat „China, China“ hinterher – was für sie gleichbedeutend mit Ausländer ist! Am Anfang waren wir erstaunt, wie schnell sich herumgesprochen hatte von wo Lisa kommt, bis wir merkten, dass auch ich regelmässig so angesprochen wurde. Von den Freundschaftsstrassen und –brücken, über die Freundschaftsspitäler bis zu den Freundschaftsbussen - China ist in Afrika mittlerweile in vielen Gebieten sehr aktiv in der Entwicklungshilfe, vor allem aber wohl mit dem Hintergedanken über diesen Weg ins Geschäft zu kommen. In Äthiopien hörten wir, obwohl alle von den neuen Strassen profitieren, meistens negative Geschichten über die Chinesen. „Alibaba“ heisse auf Amharisch „Dieb“, erklärten uns die Chinesen – die Äthiopier wiederum glauben, dass „Alibaba“ auf Chinesisch „verpiss dich“ heisst... Uns boten die vielen Arbeitercamps immer eine willkommene Abwechslung im Speiseplan und Lisa konnte dort ihren Vorrat an scharfer Chili-Sauce (original aus China) aufstocken! Alles für den täglichen Gebrauch Nötige wird für die Chinesen aus der Heimat importiert - sogar das WC Papier! Ausgenommen einem Monat Ferien pro Jahr und einem einzigen Feiertag, dem Chinesischen Neujahr, arbeiten die Chinesen tagein tagaus, 7 Tage in der Woche!
Wie überall gilt die erste Frage immer der Nationalität. Dass ich Schweizer bin, trat im Sudan ganz in den Hintergrund, kaum sagte Lisa „Sin“ für „China“, leuchteten die Augen der Sudanesen auf: „China - unsere Freunde!“ Sofort wurden wir zu Tee oder Kaffee eingeladen oder die Rechnung für das tägliche Ful (Bohnengericht mit Fladenbrot) war bezahlt bevor wir mit essen fertig waren. Als Terroristen verschrien, fühlen sich die Sudanesen vom Westen falsch verstanden.
Vor Khartoum stoppte uns ein Journalist und wir gaben ein 5-Minuten-Interview am Strassenrand. Täglich spazierten wir danach zum selben Zeitungsstand und verlangten die entsprechende Zeitung. Der Verkäufer kannte uns bereits, lächelte freundlich und erwartete wohl nichts anderes, als dass wir ihm versprachen am nächsten Tag die Zeitung nicht nur durchzublättern sondern auch zu kaufen. Nach fünf Tagen hatten wir die Hoffnung aufgegeben. Zwei Tage später verliessen wir die Stadt. Plötzlich kurbelte ein Taxifahrer das Fenster runter und rief uns zu „Lisa aus China und Urs aus der Schweiz“ – aus dem Fenster streckte er uns die Zeitung entgegen! „Danke, Mohammed aus Sudan“ - jetzt war auch er überrascht! Im Sudan heisst mindestens jeder dritte Mann Mohammed und so war es nicht all zu schwierig seinen Namen zu erraten...
Bis Khartoum hatten wir 650km gegen den Wind gestrampelt. Nach Khartoum ging es 1200km genau so weiter. Auf der Karte verlief die Strasse zwar entlang des Nils, doch das Nilwasser sahen nur selten! Die neue Strasse wurde verständlicherweise nicht durch den schmalen, dichtbesiedelten grünen Streifen dem Ufer entlang gebaut, sondern immer ein paar Kilometer weiter innen durch die Wüste. Am Mittag wurde es so heiss, dass wir uns für ein paar Stunden irgendwo in den Schatten verkrochen – wenn möglich in einem Dorf am Nilufer oder bei einem Truck-Stopp! Die Nubier hatten fast dem ganzen Flusslauf entlang kleine Dörfer gebaut. Die Häuser stehen am Rand der Grünzone gleich da wo der Sand beginnt. Eine Mauer mit zwei Toren – eines für die Frauen, das andere für die Männer - umgibt einen grossen geteilten Innenhof. Die bemalten Gebäudemauern sind massiv, damit die Hitze im Sommer draussen bleibt und es in der Nacht trotz grossem Temperaturunterschied nicht all zu kalt wird. Übernachtet wird so oft es geht, unter freiem Himmel im Innenhof!
Sudan war für uns dank der aufgeschlossenen Menschen ein interessantes Reiseland. Doch leider macht der Staat den Touristen das Leben schwer. Das Visum ist unglaublich teuer (100 USD) und nur 14 Tage gültig, dazu braucht es noch eine nutzlose Registrierung die selbstverständlich auch wieder viel kostet (50 USD). Für die Visa-Verlängerungen mussten wir zuerst die Registrierung erneuern – die sogenannte Registrierung - da die erste nicht in Kahrtoum gemacht wurde. Danach brauchten wir ein Referenzschreiben unseres Hotels, bzw. Campingplatzes auf dem nichts anderes steht, als dass wir dort übernachten. Vom ersten 14-Tage-Visum, verbrachten wir fast 3 Tage in irgendwelchen Amtsstuben um unseren Aufenthalt zu verlängern! Für jede Kleinigkeit brauchten wir ein zusätzliche Bewilligung – zum Beispiel nur um in einem Hotel zu übernachten oder das Foto- und Reisepermit des Tourismus-Ministeriums! 17 verschiedene Polizeiorganisationen soll es in diesem Land geben, und keine weiss wohl wirklich welche Aufgaben sie zu erfüllen hat! Ein Nubier beklagte sich bei einem Tee sehr treffend über den aufgeblasenen Staatsapparat und formulierte: „zuerst haben wir ausserordentlich hohel Steuern bezahlt wegen dem Krieg, jetzt bezahlen wir noch immer ausserordentlich viel um den Frieden zu sichern“!


 
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